Ich hatte mich ja mal über StudiVZ beschwert, mich abgemeldet, das gut gefunden, es nach meiner Trennung für doch ganz praktisch empfunden und mich wieder angemeldet. Wen das irritiert, dem geht es ähnlich wie mir...aber um ganz ehrlich zu sein, hatte ich mich eh hauptsächlich wegen der Eifersucht meiner damaligen Freundin abgemeldet. Egal.
StudiVZ hat sich zumindest mittlerweile soweit weiterentwickelt, dass man ganz gut im Griff hat, was man anderen präsentieren will und was nicht. Und wenn man nicht will, wird man auch nicht von dem Kram von anderen überhäuft. Es ist also meine Entscheidung, ob ich die Profile, Fotos oder das Geplapper von anderen sehen oder lesen will. Ich muss die entsprechenden Unterseiten dafür anklicken.
Facebook ist da leider anders. Man wird auf seiner eigenen "Startseite" von dem Schrott überfallen, den andere so von sich geben. Ich will nicht sagen, dass ich weniger oder keinen Schrott von mir gebe - um Gottes Willen. So viel Selbsteinschätzung besitze ich tatsächlich (auch, wenn ich meistens bewusst Schrott fabriziere und einen Effekt erzielen will, aber manche meinen ihren Schrott ja auch noch ernst). Aber, ich will den Mist einfach nicht sehen, wenn ich ihn nicht sehen will...ich muss aber. Ich werde gezwungen. (Einwurf: Gerade meine Nachbarin kennen gelernt...einer ihrer Söhne heisst so, wie ich...nein, nicht "Gerhard"!)
Wer jetzt sagt, ich könnte doch alles ausschalten, der hat sicherlich Recht, aber ich will nicht erst alles ausstellen müssen. Zudem kommen dauernd neue Quizzes, "Welches Sperma bist du"-Fragebögen und armselige Kinderspiele dazu, so dass ich dauernd neue Sachen ignorieren muss. Aber selbst das könnte man wohlwollend ignorieren...das Meiste ist ja nicht weiter wild, manchmal witzig oder auch interessant.
Schwierig wird es, wenn Inhalte auftauchen, die einen wirklich schwer zu schaffen machen. Sei es die Ex-Freundin, die hier und da kommentiert und dabei Dinge zu Tage treten, die einem - entweder weil man sie falsch versteht oder sie tatsächlich so gemeint sind - weh tun. Das ist kein Vorwurf gegen Ex-Partner. Jeder soll, darf und muss sein Leben weiter leben, aber wenn ich mich zwingen musste, nicht mehr die Profile meiner Ex anzusehen, dass aber meine eigene Entscheidung war, so ist das bei Facebook nicht möglich. Es bleibt nur die Möglichkeit die Person komplett auszublenden oder gar die (virtuelle) Freundschaft zu beenden. Das will man natürlich in den seltensten Fällen, oder Facebook ist von Vornherein nicht der Grund, denke ich.
Bei mir gibt es derzeit übrigens einen anderern Fall, der mich immer wieder aufs Neue beschäftigt: eine Freundin, die ich damals bei meinem Amerika-Aufenthalt kennen und mögen gelernt hatte (wir waren zusammen auf dem Highschool-Abschlussball...oder, wie es drüben heisst: prom), hat Krebs. Sie ist stark und versucht, damit zurecht zu kommen.
Derzeit liegt sie mal wieder im Krankenhaus...mit Glatze, Verbänden, Schläuchen...das volle Programm. Sie macht viele Fotos und teilt ihren Lebensweg über Facebook. Ich finde es - für mich - teilweise zu hart. Alleine der Gedanke, dass sie durchaus jederzeit den Kampf gegen den Krebs verlieren könnte, ist schwer zu ertragen, aber es dann auch noch so nah zu sehen und ihre Gedanken dazu zu lesen. Es ist gut, aber auch schwer. Alleine jetzt darüber zu schreiben, macht mir zu schaffen. (Ich musste tatsächlich gerade eine kurze Pause einlegen.)
Auf der anderen Seite, würde ich von ihrem Leiden wohl wenig bis nichts wissen. Ich wusste vorher, dass sie Krebs hat, aber wie stark es doch ist und wie sehr sie darunter leiden muss (ohne, dass sie sich darüber beschwert oder rumflennt...sie hat zu Gott gefunden und das gibt ihr viel Kraft...zudem bekommt sie viele Kommentare und aufmunternde Worte über Facebook), wusste ich nicht. Und ich hätte wohl auch nicht weiter darüber nachgedacht, bis es irgendwann geheissen hätte: "Wusstest du, dass sie gestorben ist?" (So eine ähnliche Situation hatte ich durchaus schon...ein alter Freund hat sich wegen psychischen Problemen, ausgelöst durch Drogenkonsum, von einer Brücke gestürzt und ich habe es ein Jahr später an einem geselligen und schönen Abend erfahren...nicht toll.)
Für sie ist Facebook auf jeden Fall ein Weg, ihre Freunde an ihrem Leben teilhaben zu lassen, ohne jedem einzeln zu erzählen, was los ist und sie bekommt jeden Tag erneuten Zuspruch von ihnen. Auch von Leuten - wie mir - die sonst eher weniger Kontakt zu ihr haben würden. Auf der Seite ist der Nachteil also ein Vorteil.
Aber das macht Facebook ja auch aus - das ist dessen Sinn und Zweck. Wer damit nicht klar kommt, sollte wohl kein Facebook nutzen. Und das ist auch der Grund, wieso ich kaum online bin...ich schreibe ab und zu Nachrichten, aber ansonsten vermeide ich es, so gut es geht. Mich interessiert der meiste Kram einfach nicht.
Ich habe meine Nische mit meinem Blog und ein bisschen Twitter gefunden und weiss, dass die Leute, die mein Zeug lesen, dies freiwillig tun. Und ich bin mit der Zeit auch gereift und überlege mir mittlerweile viel mehr, was ich veröffentliche (auch, weil ich immer wieder erstaunt bin, wer alles meinen Blog liest). Seid euch sicher, dass ich viel mehr schreiben könnte...vor einem dreiviertel Jahr noch, hätte ich es getan...aber heute lass ich das. Teils weil ich es nicht brauche, teils weil es nicht alle angeht und teils weil ich niemandem vor den Kopf stoßen will. Das hat natürlich auch mit meiner generellen Situation zu tun...ich bin derzeit viel ausgeglichener und befinde mich in keiner solchen emotionalen Extremsituation, wie noch zu Anfang des Jahres und das Jahr davor...auch, wenn es immer wieder Situationen gibt, die man gerne mal ausbreiten würde. Aber, das eher, weil sie einfach zum Kopfschütteln oder Lachen sind, weniger, weil ich damit zu kämpfen habe.
Auch bei Facebook habe ich alles ausgeschaltet, was von meinen Aktivitäten nach Aussen dringen könnte...keine Kommentare bei Fotos, Pinnwandeinträge etc.p.p. erscheinen ungefragt auf den "Startseiten" meiner "Freunde" (welche ja meistens eh nur Bekannte sind). Nicht, weil ich nicht will, dass es jemand lesen soll, sondern weil es meistens einfach 98% der Leute nicht interessiert, wenn ich bei jemandem kommentiere, den oder die sie eh nicht kennen. Und die Leute, bei denen ich kommentiere, bekommen ja eine extra Benachrichtigung. Ich will doch auch nicht wissen, dass mein Nachbar gerade RTL2 schaut und die Glückskekse für zu trocken empfindet, aber einen "süßen" Spruch darin gefunden hat, der mir aber auch gleich noch vorgelesen wird. Wenn mich das interessiert, will ich selber rüber gehen, klingeln und es von ihm erfahren, nachdem ich nett nachgefragt habe. Würde ich nie tun...also wieso werden mir solche und noch uninteressantere Infos bei Facebook auf die Nase gebunden? Da mach ich es doch wie StudiVZ, und finde es selber raus, indem ich Mäuschen spiele - ich breche unerkannt ein, schau mir alles genau an und verschwinde wieder. Was er nicht will, dass ich finde, hat er im Safe. Ausser, wir sind Freunde, dann habe ich auch dafür einen Schlüssel. Natürlich.
Ach...zu viel Text und am Ende keine Pointe und nichtmal eine Schlussfolgerung. Wie ich schon einmal erörterte: Fluch und Segen Internet
Kein Vorteil ohne Nachteil...man muss nur das Beste daraus machen. :-)
Update: Da schimpft man eben noch über diese Sozialen Netzwerke und schon gibt es eine durchaus positive Überraschung...verwirrend und ominös.
Dienstag, Oktober 27, 2009
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2 mal Gedöns:
Ominös ist mein neues Lieblingswort. =)
Das mit deiner Freundin aus Amerika tut mir wahnsinnig leid. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Mein Vater hatte auch Krebs...und es war schwer....jedenfalls hat es mich irgendwie traurig gestimmt, dass mit deiner Freundin und es tut mir echt sehr Leid =(
Habe diese Seiten immer gemieden. Last.FM ist mein Semi-Ersatz dafür.
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